Ärzte Woche (Nov. 2017)

Ärzte Woche Nr. 47 vom 23. November 2017 / Seite 5 / von Sonja Streit

Beruf und Recht. Wer was machen darf ist im Ästhetik OP-Gesetz von 2013 geregelt, die plastischen Chirurgen sind nur teilweise zufrieden. Während der Jugendschutz auf Zustimmung stößt, sind die halbstündigen Informationsgespräche für die Ärzte eine nur schwer erträgliche Mehrbelastung.

Vor gut fünf Jahren sollte sich für den Fachbereich Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie einiges ändern: „Mit 1. 1. 2013 trat in Österreich das  Ästhetik OP-Gesetz in Kraft. Damit wurden Regelungen über die Durchführung von ästhetischen Behandlungen und Operationen geschaffen. Im Zuge dessen wurde mit einer Verordnung der Österreichischen Ärztekammer festgelegt, welche Ärzte welche ästhetischen Operationen durchführen dürfen – das heißt, welche Fachärzte die Berechtigung zur Durchführung von bestimmten ästhetischen Operationen haben“, sagt die ÖAK. Neben besonderen  Jugendschutzbestimmungen sollte das Gesetz auch regeln, dass Ärzte anderer Fachrichtungen nur ihrer Qualifikation und Expertise entsprechende Eingriffe durchführen dürfen.  „Wir waren alle sehr erfreut, als das Gesetz herauskam“, meint der Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie und Autor der 14 Bände umfassenden Enzyklopaedia Aesthetica, Dr. Edvin Turkof. „Leider bedeutet es für uns Fachärzte erhebliche Mehrarbeit und deutlich weniger Flexibilität, da wir die Patienten dreißig Minuten lang umfassend und individuell aufklären müssen und zwischen Aufklärung und Operation mindestens 14 Tage liegen müssen. Im Ansatz war das Gesetz wirklich gut, konnte unseren Erwartungen aber leider nicht gerecht werden. Unser Wunsch war es, Kollegen, die nicht vom Fach sind, bestimmte Eingriffe zu untersagen, wenn sie nicht über das nötige Fachwissen verfügen. Das war aber nicht haltbar und wurde gekippt. Der Jugendschutz, den das Gesetz auch regelt, ist allerdings absolut begrüßenswert.“ Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres erläutert dazu: „Bei Jugendlichen zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr haben wir durchgesetzt, dass die Frist für eine ,Nachdenkpause’ vier Wochen dauern muss. Mit diesem beratungsintensiven Regelwerk konnten wir zu einer positiven Entwicklung im Bereich der ästhetischen Behandlungen und Operationen beitragen.“

„Wir waren alle sehr erfreut, als das Gesetz herauskam.“
Dr. Edvin Turkof, Schönheitschirurg