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DerTurkof
DerTurkof
Moderator

Das ist die Zusammenfassung meines Vortrages zu dem ich vom Kongresspräsidententen eingeladen worden bin, den ich in 1 Woche bei der österr. Jahrestagung für Plast. Chir halten werde. Am Ende steht dann noch ein Kommentar zur Beaulimethode . Ist etwas lang, aber Sie wollen es doch genau wissen !!

Es gibt zumindest vier Faktoren die die Einheilrate des transplantierten Fetts beeinflussen können:

1) Wie das Fett entnommen wird
2) Wie das Fett verarbeitet wird
3) Ob und wie das Empfängerbett für das eingebrachte Fett vorbereitet werden kann
4) Ob dem transplantierten Fett etwas zugesetzt werden kann/soll um den take zu erhöhen

Am meisten divergieren weltweit die Durchführung der Punkte 1+2. Durchmesser der Kanüle, Durchmesser der Kanülenöffnung, das Ausmaß des Vakuums, ob das Fett zentrifugiert wird oder nicht und wenn ja wie stark und wie lang, ob das Fett besser gewaschen wird oder nicht, ob man gar nichts macht und lediglich dekanthiert- ein schier unglaubliche Menge ungeklärter Details bleiben derzeit noch offen.

Bei Punkt 3 gibt es weniger Kontroversen, weil hier der gesunde Menschenverstand hilfreich ist: es leuchtet ein, dass Fett – wie jedes freie Transplantat- ein gut durchblutetes Empfängerbett benötigt, um einheilen zu können. Daher muss mehrschichtig eingebracht werden (multipasses-Coleman), und narbige oder bestrahlte Areale sind daher –unbehandelt- für das Lipofilling ungeeignet. Ähnlich verhält es sich bei der Frage nach dem noch möglichen zu transferierenden Volumen: wird der interstitielle Gewebedruck beim Lipofilling zu stark erhöht, wird das Einsprossen der Kapillaren mechanisch behindert. Also gilt: nicht zu viel auf einmal transplantieren, bzw. durch Vakuum-Vorbehandlung das Empfängerbett optimieren. Dennoch wird weltweit keineswegs jede Brust mit Vakuum vorgedehnt, bevor das Fett transferiert wird, was aber sicher richtig wäre.

Bei Punkt vier kam es in den letzten 5 Jahren zu einem echten Paradigmenwechsel. Nachdem Zuk 2001 mesenchymalen Stammzellen im Lipoaspirat entdeckte, erkannte man rasch deren wichtige Rolle im Einheilprozess des transferierten Fetts (Signalwirkung, asymmetrische Zellteilung, etc.). Also entstanden rasch sehr teure Geräte, mit welchen man das transferierte Fett mit Stammzellen ‚anreicherte‘: der Begriff ‚enriched fat transfer‘ war geboren, ließ sich perfekt vermarkten und wurde auch auf den Kongressen von einigen (gesponserten) Protagonisten beworben. Nach anfänglicher Euphorie folgte jedoch die Ernüchterung: in Bezug auf die verbrauchte Fettmenge heilt in Summe fast immer mehr Fett ein, wenn man 2x nicht angereichert transferiert als 1x angereichert – und es ist bedeutend billiger. Nur wenn Fett im Überschuss vorhanden ist und Geld keine Rolle spielt (also Übergewicht vorherrscht), kann die Stammzellenareicherung empfohlen werden-und das ist bei den meisten PatientInnen die absolute Ausnahme. Und da seit etwa 5 Jahren die Entdeckung des PRPs ähnlich gute, bzw. sogar etwas bessere Ergebnisse in Bezug auf Erhöhung der Einheilrate aufweist wie die Stammzellenreicherung, kann der Mythos Stammzellenanreicherung bereits als obsolet bezeichnet werden. Beim PRP gibt es aber das Problem des Blutverbrauchs, weil der optimale Effekt bei 20 Volumen % PRP/Fett auftritt. Damit sind auch dieser vielversprechenden Methode vorläufig noch Grenzen gesetzt, wobei aber auch hier mittlerweile auch viel PRP OHNE Blutverlust möglich ist.

MEIN ZUGANG: ICH SAUGE MIT DER HAND UND DEN DÜNNEN KANÜLEN AB. DIE BEAULYMETHODE BEZIEHT SICH SICH JA NUR AUF DIE ART DER FETTENTNAHME UND IST MEINER MEINUNG NACH AUFGRUND DES HOHEN WASSEDRUCKS FÜR DIE VULNERABLEN FETTZELLEN SICHER WEINIGER GUT ALS DAS HÄNDISCHE ABNEHMEN MIT DER 10ml SPRITZE; DAS IST NATÜRLICH MEHR AUFWAND ABER BESSER. UND WIR REICHERN NATÜRLICH MIT PRP AN. Ich empfehle Ihnen noch den LINK: https://www.youtube.com/watch?v=kn3pLJ9utWM