Lepra

Lepra ist eine Infektionserkrankung, die durch das Mycobacterium Leprae hervorgerufen wird. Die Krankheit ist im Gegensatz zur allgemein verbreiteten Meinung kaum gefährlich und für Europäer fast nicht ansteckend. Das Einnehmen einiger Medikamente führt zur vollständigen Heilung. Etwa 30% aller Leprakranken leiden unter Läsionen der peripheren Nerven. Die Nervenschäden sind eine Sekundärfolge der Abwehrreaktion auf das Mycobacterium und entstehen nicht durch eine direkte Schädigung der Nerven durch den Erreger. Im Prinzip bewirkt der Erreger eine Entzündung, die Entzündung führt zu Schwellungen, diese komprimieren (quetschen) die Nerven. Es ist nach wie vor unbekannt, warum sich das Mycobacterium in den Nerven ansiedelt.

International waren Eingriffe an leprösen Nerven umstritten, weil die Ergebnisse nicht homogen waren. Unsere Studien ergaben, dass die Hauptursache schlechter Operationsergebnisse auf unvollständige Eingriffe zurückzuführen waren, man übersah befallene Nervenabschnitte, weil sie mit dem bloßen Auge als solche nicht erkennbar waren. Durch den Einsatz der intraoperativen Elektroneurodiagnostik konnten wir nachweisen, dass bei fast jedem Eingriff an leprösen Nerven die Schäden weiter ausgedehnt waren als man ursprünglich angenommen hatte. Die von uns eingesetzten Messungen ermöglichten das Aufspüren aller Schadenstellen und damit die Durchführung der notwendigen, vollständigen Operation.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass lepröse Nervenschäden auch nach langer Zeit durch eine gelungene Operation zumindest teilweise beseitigt werden können.

Ich kam aus purem Zufall 1992 nach Bombay, weil ein indischer Kollege einem meiner Vorträge beiwohnte und mich in Folge nach Indien einlud. Es wurden einige Pilotstudien initiiert, die zu weiteren Studien in Ägypten und Nepal führten. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse bestimmten sowohl meine Karriere (Habilitation, Peat-Prize) als auch meine chirurgische Tätigkeit auf dem Gebiet der peripheren Nerven.

Die Krankenkassen übernehmen selbstverständlich die Kosten für den Eingriff.