Plexus Brachialis Läsionen

Alle Muskeln der oberen Extremitäten (Oberarme und Unterarme) werden durch fünf Nervenstränge versorgt, die in der Halsregion das Rückenmark verlassen, durch die Wirbelsäule seitlich heraustreten und ein kompliziertes Nervengeflecht bilden – „Plexus brachialis“ – lat. „Armgeflecht“. Der Plexus brachialis gehört zum Peripheren Nervensystem (PNS). Dieses Geflecht zieht unter dem Schlüsselbein und über der 1. Rippe zum Oberarm, wo es sich nach Abzweigung mehrerer Nerven für die Schultermuskeln in die drei Hauptnerven des Armes (Nervus medianus, radialis und ulnaris) aufteilt.

Bei der Geburt, sowie bei Stürzen mit hoher Geschwindigkeit auf die Schulter (Motorradunfälle), wird das Nervengeflecht zwischen dem Schlüsselbein und der 1. Rippe eingeklemmt. Der Zug des Geburtshelfers am Kopf, bzw. die Fliehkraft der Verzögerung beim Aufprall bewirken eine Überstreckung des Kopfes, damit eine abrupte Verlängerung der Wegstrecke zwischen Hals und Schlüsselbein. Die eingeklemmten Nerven können dieser Dehnung nicht folgen und reißen, medizinisch spricht man von einer sog. „Läsion des Plexus brachialis“.

Die Folgen dieser Verletzungen können unterschiedlicher nicht sein: sie reichen von zeitlich begrenzten, vollständig rückgängigen Teilausfällen bis zu irreparablen, dauerhaften Lähmungen des gesamten Oberarmes und des Schultergürtels. Die operative Inspektion und Rekonstruktion unfallbedingter Verletzungen des Plexus brachialis gehören zu den aufwendigsten, kompliziertesten und schwierigsten Eingriffen der Plastischen Chirurgie die u.U. über 12 Stunden dauern können.

Univ.-Prof. Dr. Millesi ist weltweit einer der führenden Plexus-Chirurgen. Er animierte mich dazu, neben dem Erlernen der Grundlagen dieser Marathon-Operation die Möglichkeiten der intraoperativen Elektroneurodiagnostik einzusetzen. Gemeinsam mit Prof. Millesi und dem Neurologen Prof. Mayer entwickelten wir die Methode der „intraoperativen, transkranialen elektrischen Stimulation des motorischen Cortex“. In langjähriger Forschungsarbeit konnten wir nachweisen, das mit dieser Messmethode ein funktioneller Test der motorischen Fasern der Nervenwurzeln möglich ist, Erkenntnisse, die während des Eingriffs oft von großer Wichtigkeit für den Operateur sind.

Die Krankenkassen übernehmen selbstverständlich die Kosten für den Eingriff.